Tunis - La Goulette

Übersicht

Im Nordosten von Tunis liegt der Hafen und Badeort La Goulette; dort kann man an heißen Sommernächten vor den Restaurants und Cafés sitzen und Fischspezialitäten und andere tunesische Gerichte an der frischen Luft genießen. La Goulette wirkt – zumindest bei der Durchfahrt – als eine eher langweilige Vorstadt, nicht einmal sehr geschäftig, mit unauffälligen zwei oder dreistöckigen Wohnhäusern, für afrikanische Verhältnisse aber doch Zeugnisse eines wenn auch bescheidenen Wohlstandes, zumindest eines regelmäßigen Auskommens.
Ca. 18 Fährstunden von den Häfen von Marseille (Frankreich) und Genua (Italien) entfernt ist La Goulette der bevorzugte Wohnort der jüdischen und christlichen Minderheit von Tunesien. [1]

La Goulette (italienisch: La Goletta) am Golf von Tunis ist eine Stadt und Vorort der tunesischen Landeshauptstadt Tunis. Er befindet sich im Nordosten der Stadt Tunis und grenzt an die Stadtteile Le Kram im Norden, Les Berges du Lac II im Nordwesten und dem Stadtteil Rades im Süden. La Goulette gehört zu Gouvernorat Tunis und zählt etwa 45 700 Einwohner. La Goulette liegt auf einer Sandbank zwischen dem Tunesischen See und dem Golf von Tunis. Der Hafen, 12 Kilometer östlich von Tunis gelegen, ist der Knotenpunkt der wichtigsten tunesischen Straßen- und Schienennetze. Der Vorort ist durch die TGM-Eisenbahn mit Tunis und durch eine Fährverbindung mit Europa verbunden. [1]
Geschichte

Die Festung des Ortes (Fort Carraca) wurde im Jahr 1535 nach der Eroberung von Tunis durch Karl V. (1500 - 1558) erbaut, wurde jedoch zusammen mit der Stadt Tunis 1574 durch die Osmanen zurückerobert. Ende August 1857 ankerte ein Geschwader der französischen Flotte vor La Goulette als Teil einer militärischen Intervention in Folge der Batto-Sfez-Affäre um den gelynchten Juden Batto Sfez (auch: Braïtou Sfez).
Die Stadt La Goulette selbst wurde nach der Besetzung Tunesiens durch die Franzosen im Jahr 1881 gegründet. 1937 lief unter Protesten das Schulschiff Sara 1 der radikalzionistischen Betar im Hafen ein. [1]

Bis zur Unabhängigkeit 1956 wohnten hier viele Europäer, vor allem Italiener, sowie Juden und Muslime. Diese „Goulettois“ lebten eng beieinander. Die meist aus Sizilien und Kalabrien stammenden Italiener feierten jeden 15. August die Prozession der Madonna de Trapani, ausgehend von der Kirche Saint Augustin et Saint Fidèle des Erzbistums Tunis im damaligen „Klein-Sizilien“. Sie waren es auch, die den Dampfschiffen – Vaporini – den Namen gaben, die bis zur Fertigstellung des Damms die Überfahrt nach Tunis anboten. [1]

Die Muslime ließen es sich nicht nehmen, bei den Festen ihrer Nachbarn dabei zu sein und feierten ihrerseits die Kharja von Sidi Scherif. Auch die Festtage zum jüdischen Chanukka gaben Anlass zu öffentlichen Feierlichkeiten. Auf dem Damm verkehrte ab Ende des 19. Jahrhunderts die Bahnlinie TGM Tunis–Goulette–Marsa. An der Stelle namens Halk el-Oued wurde die Landzunge von La Goulette durch einen befahrbaren Verbindungskanal zum See von Tunis unterbrochen. [1]


Mit dem Ausbau der Infrastruktur verlor La Goulette ab etwa 1985 seine Funktion als Güterhafen zugunsten des Hafens von Radès. Der Fährverkehr besteht jedoch weiter. Im Juni 1988 wurde unter Zine el-Abidine Ben Ali ein Reiterstandbild seines Vorgängers Habib Bourguiba aus Tunis nach La Goulette verlegt und nach dem Sturz von Ben Ali 2011 wieder an seinen vorherigen Standort an der Avenue Habib Bourguiba in Tunis zurückgebracht. Heute ist das Wohlstandsniveau von La Goulette geringer als das der benachbarten nördlichen Vororte von Tunis.
In La Goulette befindet sich die Anlegestelle für die Autofähren nach Italien und Frankreich. [1]

Wirtschaft
- Handelshafen (vor allem Massengüterumschlag – Erze, Phosphate, Oliven);
- Großkraftwerk;
- Industrieansiedlungen;
- Fischerei;
- Tagestourismus;
Verkehr
- Fährverbindungen nach Europa (u. a. Genua, Marseille);
- Damm-Schnellstraße nach Tunis;
- Busverbindungen;
- TGM-Schnellbahn nach Tunis, bzw. nach Karthago, Sidi Bou Saïd und La Marsa;
Sehenswürdigkeiten
- Arsenaltor;
- Fort Carraca - spanisch-osmanisches Fort;
- Lateinisches Viertel - ein minimal erhaltenes Viertel mit der Bezeichnung „Klein-Sizilien“;
- Habib-Bourguiba-Denkmal;
- Kirche Saint Augustin et Saint Fidèle;
- Der alte Fischereihafen mit Sandstrand;
Quelleninformationen:

Die Informationen zur Geschichte von La Goulette, einem Vorort von Tunis basieren auf dem Artikel La Goulette (Stand 29.11.2024) und stammen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz [34 KB]
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Die Fotos aus der Wikimedia Commons "Tor am Eingang zur Stadt La Goulette - es handelt sich wohl um das Arsenal der Beys von Tunis; Fort (Karaka Fort) in der Stadt La Goulette; Amt für die Handelsmarine und Häfen; (3 Fotos) - Autor: M. Rais" sind lizenziert unter der Creative Commons Lizenz „Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported".
Die Fotos aus Wikimedia Commons "Reiterstatue von Habib Bourguiba in La Goulette (Tunesien) - Autor: Dacoslett" - "Saal der Synagoge Beit Mordekhai in La Goulette - Autor: Caroline Evanno" stehen unter der Creative Commons - Attribution ShareAlike 4.0 International Lizenz.